Reykjavík,Ísland
22.2.2006, 20:58 CLST


Die vergangenen Wochen zeigte sich Reykjavík uns ganz und gar so wie es sich die meisten von Euch ja ohnehin vorstellen: ganz weiß und kalt! Deswegen war es Zeit einen alten Plan endlich mal in die Tat umzusetzen: Eine sternenklare und mit Nordlichtern beglückte Nacht mit unseren superflauschigen Arktis-Schlafsäcken in einem der nahegelegenen verschneiten Täler zu verbringen... mit heissem Bach und privatem Hot Pot direkt vorm Zelteingang...
Leider ist uns vor Aufbruch das Petroleum für unseren Kocher abhanden gekommen, so dass wir uns schließlich zu einer langen Tageswanderung und einen Aufschub des Nachtgelages entschieden!




Diesmal hielten auch wir den Daumen hoch und schon nach knappen aber kalten 10 Minuten hielt ein netter alter Geselle in seiner Klapperkiste und gabelte uns auf. Lange warten muss man in Island wirklich nie, um mitgenommen zu werden! Angst davor, dass man sich irgendeinen Ganoven von der Straße aufsammeln könnte, hat hier wohl niemand. Im Gegenteil, besonders ausserhalb von ihrer "Metropole" Reykjavík scheinen die Isländer so etwas wie Anonymität garnicht zu kennen und jeder hilft hier jedem. Auch wenn man vielleicht grimmige verschlossene Schafshirten erwarten würde, hilfsbereit sind die Isländer nun wirklich! Und wahrscheinlich hat jeder von ihnen schon zu viele eisige Winternächte durchlebt oder im Auto nach plötzlichen Einbruchs eines Schneesturms verbracht, um die armen kleinen Erasmus Studis einfach so am Wegrand stehen zu lassen!
In unserem Tal angekommen, bot sich uns dann genau die faszinierende Landschaft, auf die wir gewartet hatten: blubbernde Schlammlöcher, zischende Wasserschwaden und eine Menge heißer Dampf soweit das Auge reicht in einer verschneiten sonnigen Bergkulisse: "Reykjadalur" (das rauchende Tal).




Vor uns war hier wohl seit dem letzten Schneefall niemand gewandert und wir hatten das Glück unsere Fußstapfen in den unberührten Neuschnee zu setzen : ) . Das liebe ich so an der Natur Islands! Das Gefühl, meilenweit von allem und jedem entfernt zu sein und einen ganzen großen wunderschönen Fleck dieses Landes mal nur für sich zu haben! Und hey, das macht süchtig! : )




Die Wanderung durch unser Tal war schon irgendwie paradox. Es war wirklich a...kalt an diesem Tag und der Schnee war so hoch, dass wir teilweise bis zu den Knien einsanken. Aber nur wenige Meter entfernt von uns blubberte und köchelte es oftmals gewaltig und man muss schon höllisch aufpassen, dass man sich nicht mal den Fuß anbruzelt. Wir können uns praktisch auch unser Frühstücksei kochen, wenn wir mal zu unserer Zeltnacht kommen : ).




Und das allercoolste an dieser Gegend ist wohl der warme Bach, der mit angenehmen 42 Grad zu einem Bad einlädt! Ich muss zugeben, dass ich bei -15 Grad Lufttemperatur dann doch zu sehr Mimose war, um meine Kleider abzulegen : (. Jetzt bereue ich NATÜRLICH und das ist ein Grund mehr, bald nochmal zurückzukehren! Aber Björn hat es sich richtig gut gehen lassen und damit Ihr das auch glaubt, gewähre ich Euch mal einen kleinen Einblick in unsere Zweisamkeit in der heissen Einsamkeit! Nur zu empfehlen!





Santiago, Chile
22.10.2006, 11:55 CLST


Die Idee war schon vor zwei Wochen da. Nachdem wir zu dritt in den Bergen waren, wollten wir uns dieses Wochenende in Curicó bei Sophie treffen und dann gemeinsam mit einer alten Dampfeisenbahn dort in der Nähe ans Meer fahren.
Tja, so einfach war das mit der Eisenbahn schon einmal nicht. Anscheinend gibt es nur eine Lock, und diese ist zur Zeit leider defekt - was dazu führt, dass sämtlicher Zugverkehr eingestellt ist, und das bis Dezember. Aber was solls, Jean und ich beschlossen, trotzdem zu fahren - und zwar per Anhalter.
Aller Anfang ist schwer - aber so schien es nicht einmal. Direkt bei meiner Wohnung um die Ecke, nahe am Park O'Higgins, gibt es eine Auffahrt der Panamericana mit dem schönen Schild "Al Sur". Also warum nicht dort?


Al Sur - hier sind wir gestartet.


Und wirklich dauerte es keine viertel Stunde bis uns jemand mitnahm, allerdings unterwegs nur weiter in den Süden von Santiago. Aber was solls. Eingestiegen uns los - zum Zentralfriedhof. Dort stellte sich die Sache doch schon ein bisschen schwieriger heraus, wir waren nämlich an einem Autobahnkreuz. Auf der Schnellstraße zu Fuß unterwegs zu sein ist zwar kein Problem - wir waren bei weitem nicht die einzigen - aber dass ein Auto bei der Geschwindigkeit anhält ist doch etwas anders. Die Micros (Stadtbusse) allerdings halten, wenn man ihnen winkt. Also fuhren wir einfach noch ein bisschen weiter Richtung Süden.
Gar nicht dem Ideal des Trampers - es geht immer irgendwie weiter - entsprechend nahmen wir dort auch noch einen Bus, um einfach mal noch ne halbe Stunde raus aus Santiago zu kommen. Von Rancagua aus versuchten wir dann erneut unser Glück. Dauerte auch wieder keine viertel Stunde und wir wurden mitgenommen. Nun machte wir aber einen entscheidenden Fehler. Wir vertrauten einem Fahrer. Schon die Erfahrung zeigt, dass Leute, die von Möglichkeiten viel besser wegzukommen sprechen, fast nie Recht haben. Außerdem ist das in Chile mit der Wahrheit eh so eine Sache. Statt zuzugeben, dass man etwas nicht weiß, wird lieber irgendetwas erzählt - selbst wenn man nach dem Weg fragt ist das nicht selten.

Fahrradladen auf dem Land.

Wie auch immer, es gab da eine Straße parallel zur Panamerika, allerdings natürlich kostenfrei. Wunderbar, dann schauen wir doch einfach erst einmal, wie wir dort weiterkommen. Es dauerte auch nciht lange, bis wir von einem kleinen Minibus mitgenommen wurde. Dieser lies uns dann mitten in der Pampa raus, da er links abbiegen musste. Wieder zur Panamerikana ginge es geradeaus. Tja, und da standen wir dann und staunten: "Fin de Pavemiento" - und das während es so langsam schon dunkel wurde.

Das Schild spricht wohl für sich selbst.

Gut, dann eben zurück zum letzten Ort und dort Richtung Panamerikana. Immerhin hatte es doch Vorteile dass wir hier mitten im Nichts waren. In diesem Ort aßen wir die mit Abstand besten Empanadas, die ich je gegessen habe. Außerdem gab es auch einen Bahnhof - die Mitarbeiterin dort verwieß uns aber darauf, dass der Zug viel teurer als der Bus ist und schickte uns damit auch weiter an die Panamerikana.
Nun stelle man sich diese Szene vor. Wir stehen bei inzwischen schon völliger Dunkelheit an einer Autobahn und versuchen einen Bus anzuhalten. In Deutschland würde uns wohl jeder für verrückt erklären. Hier gibt es relativ regelmäßig Haltestellen, die auch eine Laterne haben - und mit bisschen Glück hält auch ein Bus an. Allerdings gab es bei uns keine Möglichkeit, die wir sahen. Doch, immer surreal werdend, hielt gerade in dem Moment ca 100 Meter von uns ein Bus an, um Leute abzusetzen. Wir, rennend und rufen - und weiter gings mit dem Bus nach San Fernando.
Natürlich hatten wir die Idee mit dem Trampen inzwischen aufgegeben. Aber ein Bus nach Curicó sollte sich auch nicht als einfacher herausstellen. Für den Abend waren alle Busse voll und wir waren auch nicht die einzigen Leute, die auf einen leeren Platz hofften. Ein Mann wollte das auch nciht war haben und trat gegen den Bus - worauf dann der Fahrer direkt ausstieg und zu einer Schlägerei aufforderte. Und wir? Eine Frau fragte uns, ob wir ein Taxi teilen wollten zur Panamerikana. Also zurück zur Panamerikana und dort versucht einen Bus nach Curicó aufzuhalten - aber auch hier waren wir bei weitem nicht die einzigen, die hofften. Nachdem die ersten paar Busse passierten ohne zu halten, hatten wir dann aber etwa um 22 Uhr Glück und standen (Sitzplatz gabs erstmal nicht) in einem Bus nach Curicó.
Nach der ganzen chaotischen Tour waren wir eigentlich trotzdem immer bester Laune - es war ja auf keinen Fall langweilig gewesen. Allerdings hatten wir shcon unsere Hymne gefunden: "Soy un perdidor, I'm a loser baby, so why don't you kill me?"
Aber es hat ja auch niemand gesagt, dass es nach der Ankunft leichter sein würde. Unsere Freundin, die noch drei Stunden vorher geantwortet hatte, wann wir denn ankämen, war nicht zu erreichen.
Was macht man bei so etwas: Comemos - siempre se puede. Außerdem gabs hier ja den angeblich schönsten Plaza de Armas Chiles. Letztendlich sind wir erst einmal eine Runde Billardspielen gegangen und haben dann später nach und nach die Bars gesucht, die noch offen haben. Naja, und irgendwie immer die erwischt, die gerade am schließen waren. Doch mit der letzten hatten wir Glück - offen bis um fünf. Dort haben wir dann auch ein paar Studenten aus dem Ort kennengelernt, und uns denen anschließend angeschlossen.
Aber was macht man, wenn man um fünf Uhr früh in einer Kleinstadt noch etwas trinken will? Klar, logisch, man nimmt ein Taxi, das fährt in irgendein Wohngebiet, wo man dann auf der Straße vor einem bestimmten Haus alles was einem lieb ist kaufen kann.
Letztendlich sind wir auf einen Hügel am Rand der Stadt gestiegen und haben dort gesessen bis zum Sonnenaufgang - wunderbarer Abschluss der chaotischen Nacht. Und nach ncoh ein paar Stunden auf der Wiese vor dem Bahnhof sind wir dann einfach wieder zurück nach Santiago - mit einem Auto direkt vor die Haustüre. Manchmal klappt das mit dem Trampen eben doch.

Toller Sonnenaufgang nach einer chaotischen Nacht.

Und was lernt man daraus? Solange man gute Laune behält, ist es doch immer lustig und spannend, egal was passiert. Aber vertraue nie einer Französin. Es stellte sich heraus, dass sie dachte, wir wären wohl per Anhalter gescheitert und umgekehrt, weil wir bei letzter Mitteilung noch so weit nördlich waren. Naja, und da sie müde war ging sie schlafen und schaltete wie gewöhnlich das Handy aus.
last soy un perdedor
22.12.2006 - -